Gnadenlos komisch

Witz, Ironie, Satire oder auch Sarkasmus in der Kunst erscheinen landläufig eher als männlich geprägte Eigenschaften. In einem Streifzug von der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart zeigt die Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn, dass auch Künstlerinnen spezifische Formen des Komischen als Strategie und Methode in ihren Werken zu nutzen wussten und damit auf Gesellschaft, Politik und Kunst reagierten. Ausgehend von frühen Slapstick-Filmen um 1900 spannt sich der Bogen bis in die jüngste Gegenwart. Von Beginn an setzten Künstlerinnen das Komische in ihren Arbeiten ein, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgewählte Zeichnungen, Collagen, Aquarelle und Objekte von Marianne Werefkin, Hannah Höch, Jeanne Manmen, Hanna Nagel und Meret Oppenheim reflektieren. In den politischen 1960er Jahren findet sich das Komische mit Nachdruck in Pop-Art und  Fluxus, und die Forderungen der Frauenbewegung geraten in das Blickfeld der Kunst. Selbstironisch und mit bissigem Sarkasmus kritisierten und prangerten bekennende Feministinnen wie Valie Export, Eleanor Antin, Martha Rosler oder Birgit Jürgensen tradierte Verhältnisse an.  Legendär ist die gemeinsam mit dem Künstler Peter Weibel 1968 veranstaltete Performance von Valie Export „Aus der Mappe der Hündigkeit“. Das Museum für moderne Kunst Stiftung Ludwig berichtete damals: „Es kam zu einigen Zwischenfällen, wobei die sexuelle Dimension der Aktion – Mann als Hund am Gängelband der Frau, Sadismus/Masochismus/ Matriarchat – am meisten Beklemmung hervorrief“.  Weniger beklemmend als vielmehr befremdlich wirken da die Alltagsgegenstände der palästinensischen Künstlerin Mona Hatoum mit einem überdimensionalen  Gurkenhobel  „Paravent“ von 2008 sowie Rosemarie Trockels seltsamer Herd „Ohne Titel“ von 1991, auf dem frau garantiert nicht kochen kann.

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