Eine fotografische Legende

Wo liegen die Grenzen von Kunst und Pornographie? Das Œuvre von Robert Mapplethorpe ist mit den Begriffen Sex und Exzess, Begierde und Dominanz untrennbar verbunden. Diese Allianz macht ihn auch heute noch, 25 Jahre nach seinem Tod,  zum umstrittenen,  aber dennoch zu einem der großen Fotografen unserer Zeit… Seine Fotos männlicher Akte irritieren mit ihrem Mix aus Schock und Schöpfung. Berühmtheit erlangt er zunächst mit klassischen Kompositionen von Stillleben und Blumen, den „New York Flowers“. Als fotografischer Autodidakt hat er lange mit diesen Sujets experimentiert und diese später zusammen mit Phalli präsentiert: „I look für the perfection of form. I do this in portraits, in photography of penises, in portraits of flowers. I’ve tried to juxtapose a flower, then a picture of a cock, then a portrait, so that you could see they were the same“.  Die Aufregung  im sogenannten  amerikanischen Kulturkrieg der 1980er Jahre war groß, als Mapplethorpe seine Fotos auf den Markt bringt. Homoerotische Praktiken und immer wieder entblößte Männerkörper, in schlichtem Schwarz-Weiß inszeniert, sorgen in seiner Heimat für Empörung. Doch die Avantgarde feiert inzwischen die Werke des Katholiken als große Kunst.  Mapplethorpe war nicht nur kühler Porträtist einer New Yorker Gesellschaft, der formversessene Beobachter der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. In seinen Bildern konfrontiert er die Menschen  mit ihren Vorurteilen, ihrem Verhältnis zur schwarzen Minderheit, ihrer Haltung zum Feminismus und zu sexuellen  Minoritäten. Exhibitionistisch und intim, romantisch und brutal zwingt seine Bildsprache dazu, die Welt auf neue Art zu sehen.

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